Kurz gefasst · Stand: Oktober 2026
Modbus kennt genau einen Identifikationsdienst: Funktionscode 43, MEI-Typ 14 „Read Device Identification“. Die Basisobjekte VendorName, ProductCode und MajorMinorRevision sind Pflicht, aber nur, wenn das Gerät FC 43 überhaupt implementiert, und das ist freiwillig. Es gibt keine Seriennummer, keine Hardware-Revision, keine Herstellerregistrierung und keine Discovery: Jede IP-Adresse wird einzeln auf TCP 502 gefragt. Für die Anlagen-SBOM ist Modbus deshalb ein Ergänzungsweg für Antriebe, Energiezähler, Netzteile und Gateways, nach ARP-Tabelle und SNMP, nicht statt ihrer.
FC 43 liefert drei Pflichtobjekte und ein paar freiwillige
Die Modbus Application Protocol Specification V1.1b beschreibt in Abschnitt 6.21 drei Kategorien von Identifikationsobjekten:
| Objekt | Kategorie | Pflicht | Bedeutung für die Geräteliste |
|---|
| 0x00 VendorName | Basic | ja (wenn FC 43 implementiert) | Hersteller als Freitext – „Schneider Electric“ und „Schneider Electric Industries SAS“ sind zwei Schreibweisen |
| 0x01 ProductCode | Basic | ja | Produktcode, herstellerdefiniert – bei Schneider oft die Handelsreferenz |
| 0x02 MajorMinorRevision | Basic | ja | Firmware-Revision, der Vergleichswert gegen das Advisory |
| 0x03–0x06 VendorUrl, ProductName, ModelName, UserApplicationName | Regular | nein | Modellname hilft bei der Zuordnung, Anwendungsname bei der Teilanlage |
| 0x80–0xFF | Extended | nein | herstellerspezifisch, oft die Seriennummer – undokumentiert |
Die Anfrage läuft als FC 0x2B mit MEI 0x0E und einem Lesecode (1 = Basic, 2 = Regular, 3 = Extended, 4 = Einzelobjekt); die Antwort nennt die Konformitätsstufe des Geräts und ob weitere Objekte folgen.
Kein Discovery, kein Pflichtdienst, keine Registrierung
Modbus TCP hat keinen Broadcast-Mechanismus: Der Scan braucht eine Adressliste (aus ARP- und Switch-Tabellen) und fragt jede Adresse auf TCP 502 einzeln; hinter Modbus-Gateways zusätzlich je Unit-ID, sonst antwortet das Gateway mit seiner eigenen Identität. FC 43 ist ein öffentlicher Funktionscode, aber kein Gerät muss ihn implementieren. Viele antworten mit Exception 01 („Illegal Function“), manche ältere Stacks reagieren auf unbekannte Codes gar nicht gut. Implementiert ist der Dienst verlässlich bei Schneider Electric (Modicon, Altivar, PowerLogic), bei vielen Energiezählern (Janitza, Socomec, ABB) und bei Phoenix- und WAGO-Kopplern; wie Schneider ihn für M580 und BMENOC dokumentiert, steht im Beitrag zu Schneider Electric und der Anlagen-SBOM.
Ohne FC 43 bleiben FC 17 „Report Server ID“ (herstellerdefinierter Byteblock) oder herstellerspezifische Halteregister für Seriennummer und Firmware, mit Registerkarte je Hersteller.
Was Modbus nicht liefert
- Seriennummer und Hardware-Revision: kein Standardobjekt; wenn überhaupt, im herstellerspezifischen Bereich.
- Einen normierten Herstellernamen: VendorName ist Freitext ohne Registrierung; der Abgleich braucht eine Normalisierungstabelle.
- Vollständigkeit: Was FC 43 nicht kann, bleibt ohne Identität, und das sind viele Geräte.
- Sicherheit: Modbus hat keine Authentifizierung. Leseanfragen sind harmlos; die Gefahr jedes Werkzeugs sind Schreibcodes (FC 05/06/15/16), die ein Inventarscan nie senden darf.
Was das für die Anlagen-SBOM heißt
- Modbus als dritte Stufe fahren: erst ARP- und Switch-Tabellen für die Adressliste, dann SNMP, dann FC 43 nur gegen Adressen mit offenem Port 502.
- VendorName normalisieren und ProductCode mit dem Produktnamen des Advisories abgleichen; bei Schneider ist der ProductCode häufig die Handelsreferenz.
- Geräte ohne FC 43 als offene Position mit MAC-Adresse und Herstellerzuordnung führen und aus Stückliste oder Typenschild ergänzen, wie im Beitrag zum Netzwerkscan beschrieben.
- Den Scan auf feste Portliste und ausschließlich Lesecodes begrenzen; einen Probelauf, der jede Anfrage vorab auflistet, mit der Netzwerkabteilung abstimmen.
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