Kurz gefasst · Stand: Oktober 2026
SNMP erreicht, was die Feldbusprotokolle nicht sehen: Switches, Router, Access Points, Industrie-PCs und Kameras. Die Systemgruppe (RFC 3418) ist in jedem SNMP-Agenten Pflicht. sysDescr ist Freitext, in dem Siemens MLFB, Hardware- und Firmwarestand mitliefert, sysObjectID nennt den Hersteller über die IANA-Nummer (4196 Siemens A&D, 4346 Phoenix Contact, 13576 WAGO, 25157 Beckhoff). Die ENTITY-MIB (RFC 6933) liefert auf Managed Switches strukturiert Modell, Hardware-, Firmware-, Softwarestand und Seriennummer. PROFINET-Geräte der Konformitätsklassen B und C müssen SNMP mit MIB-II und LLDP-MIB führen, und die LLDP-Nachbartabellen ergeben nebenbei die Topologie. Für die Anlagen-SBOM ist SNMP die zweite Stufe nach dem Feldbus.
Die Systemgruppe ist Pflicht, die ENTITY-MIB der Gewinn
| Objekt | Pflicht | Inhalt | Bedeutung für die Geräteliste |
|---|
| sysDescr (1.3.6.1.2.1.1.1) | ja | Freitext mit Hardware, Betriebssystem, Netzwerksoftware | bei Siemens etwa „SIMATIC S7, CPU 1516-3 PN/DP, 6ES7 516-3AN02-0AB0, HW: Version 5, FW: Version V2.9.4“ – MLFB und Firmware im Klartext, je Hersteller zu parsen |
| sysObjectID (1.3.6.1.2.1.1.2) | ja | OID unter 1.3.6.1.4.1.<IANA-Nummer> | Hersteller eindeutig; Produkt über die Hersteller-MIB |
| sysName | ja | Hostname | oft der PROFINET-Stationsname – Brücke zum DCP-Ergebnis |
| entPhysicalModelName, …HardwareRev, …FirmwareRev, …SoftwareRev, …SerialNum, …MfgName (ENTITY-MIB) | nein | strukturierte Gerätedaten je physischer Einheit | laut RFC ist ModelName die „kundensichtbare Teilenummer“ – der Abgleichsschlüssel |
| LLDP-MIB (1.0.8802.1.1.2) | bei PROFINET CC-B/C | Nachbarn je Port mit Chassis-ID, Port-ID, Systemname | Topologie und Nachbaridentität, ohne die Endgeräte zu befragen |
Die ENTITY-MIB führen Managed Switches und Router (SCALANCE, Hirschmann, Phoenix FL SWITCH, Moxa, Cisco IE) fast immer, Steuerungen und I/O selten. Für sie bleibt sysDescr und ein Parser je Hersteller.
Ohne Discovery, aber mit Adressliste aus den Switch-Tabellen
SNMP hat keinen Broadcast; der Scan braucht Adressen. Die liefern die Switches selbst: ARP-Tabellen und Bridge-MIB nennen jede MAC-Adresse mit Port und VLAN, LLDP die direkten Nachbarn. Gegen diese Liste läuft ein GET auf sysObjectID und sysDescr über UDP 161, lesend, mit Read-Community oder SNMPv3-Benutzer. Ein voller MIB-Walk ist nicht nötig und auf alten Stacks riskant; es reichen Systemgruppe und ENTITY-MIB mit kleiner Blockgröße.
Ein Hinweis für die Praxis: Viele Härtungsleitfäden nach IEC 62443 schalten SNMPv1/v2c ab. Dann muss SNMPv3 mit Lesekonto bei der Abnahme eingerichtet werden, sonst verliert die Anlagen-SBOM genau die Geräteklasse, die am häufigsten in Advisories auftaucht: Netzwerktechnik. Was dann fehlt, zeigt der Beitrag zum Netzwerkscan für die Anlagen-SBOM.
Was SNMP nicht liefert
- Ein einheitliches Format: sysDescr ist Freitext; MLFB, Firmware und Seriennummer stehen bei jedem Hersteller anders darin.
- Seriennummer und Hardwarestand ohne ENTITY-MIB: Steuerungen und I/O führen sie meist nur in Herstellerobjekten unter der IANA-Nummer, mit MIB-Datei je Hersteller.
- Die Software unterhalb der Firmware: wie bei allen Protokollen die Geräteebene, nicht die Bibliotheken.
- Sicherheit: v1/v2c sind unauthentifiziert; Community-Strings verraten Gerätedaten jedem im Netz. Ein Inventarwerkzeug sollte SNMPv3 bevorzugen und nie schreiben (SET).
Was das für die Anlagen-SBOM heißt
- Bei der Abnahme ein SNMP-Lesekonto (v3) auf Switches, Routern, Access Points und Industrie-PCs einrichten; das ist die Voraussetzung, nicht die Kür.
- Adressliste aus ARP- und Bridge-MIB der Switches ziehen, dann Systemgruppe und ENTITY-MIB je Adresse lesen; Hersteller über die IANA-Nummer auflösen.
- sysDescr je Hersteller parsen und MLFB beziehungsweise Teilenummer als Abgleichsschlüssel übernehmen; was nicht parsebar ist, als offene Position mit MAC-Adresse führen.
- LLDP-Nachbartabellen als Topologie speichern, sie verbinden Scan-Ergebnis und Teilanlage. Wie die Stufen zusammenspielen, steht im Beitrag zum Netzwerkscan.
Alle 13 Hersteller im Vergleich: SBOM je Hersteller →
Werkspilot Scan an Ihrer eigenen Anlage erproben.
Wir erproben die Erfassung mit wenigen Anlagenbauern an deren Test- oder Referenzanlagen, vier Monate lang, Stufe für Stufe um ihre Steuerungen erweitert. Der Partner bekommt eine Anlage seiner Wahl als Anlagen-SBOM: jedes erreichbare Gerät mit Hersteller, Bestellnummer und Firmwarestand, offene Positionen einzeln ausgewiesen.
Entwicklungspartnerschaft anfragen →
Werkspilot Scan liest diese Felder vom Wartungs-PC aus, lesend und mit fester Anfrageliste, und führt sie je Anlage. Dieser Beitrag beschreibt den Stand der Spezifikationen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.