Kurz gefasst · Stand: Oktober 2026
PROFINET liefert für die Anlagen-SBOM die vollständigsten Daten: Jedes zertifizierte IO-Device muss den Datensatz I&M0 führen: Hersteller-ID, OrderID (bei Siemens die MLFB), Seriennummer, Hardware- und Softwarestand. Die Abfrage läuft in zwei Schritten: DCP Identify auf Schicht 2 findet alle Teilnehmer im Segment, nennt aber nur Typ und Stationsnamen; erst das Lesen von Datensatz 0xAFF0 per PNIO-CM (UDP 34964, „Read Implicit“, ohne Verbindung zur Steuerung) liefert die Felder, die ein Advisory-Abgleich braucht. Was PROFINET nicht erreicht: alles, was nicht PROFINET spricht, und die Softwarebestandteile unterhalb des Firmwarestands.
I&M0 ist Pflicht für jedes PROFINET-Gerät und enthält genau die Felder der Geräteliste
Die „Identification & Maintenance“-Datensätze sind in der PI-Richtlinie 3.502 beschrieben und Teil der Zertifizierung: Ohne I&M0 besteht kein Gerät den Konformitätstest. Der Datensatz liegt unter Index 0xAFF0 und ist vom Hersteller beschrieben, nicht vom Anwender.
| Feld (I&M0) | Größe | Bedeutung für die Geräteliste |
|---|
| IM_Vendor_ID | 2 Byte | Hersteller als PI-Nummer (42 = Siemens, 176 = Phoenix Contact, 288 = Beckhoff, 333 = Festo); Auflösung über die öffentliche PI-Herstellertabelle |
| IM_Order_ID | 20 Zeichen | Bestellnummer, wie sie das Advisory nennt – bei Siemens die MLFB, bei Phoenix die Artikelnummer |
| IM_Serial_Number | 16 Zeichen | Seriennummer des Geräts |
| IM_Hardware_Revision | 2 Byte | Hardwarestand |
| IM_Software_Revision | 4 Byte | Firmwarestand als Präfix (V/R/P/U/T) plus x.y.z – das Feld, an dem der Versionsbereich des Advisories geprüft wird |
| IM_Supported | Bitmaske | welche weiteren Datensätze (I&M1–I&M5) das Gerät führt |
I&M1 bis I&M3 (Funktion, Einbauort, Datum, Beschreibung) sind vom Betreiber beschreibbar und helfen bei der Zuordnung zur Teilanlage. I&M5 beschreibt ein eingebettetes Kommunikationsmodul (etwa den Anybus-Chip in einem Fremdgerät) mit eigener OrderID und Firmware.
DCP findet die Teilnehmer, das Lesen von I&M0 identifiziert sie
Schritt 1, DCP Identify-All: ein Ethernet-Rahmen an die Multicast-Adresse 01:0E:CF:00:00:00 (EtherType 0x8892); jedes PROFINET-Gerät im selben Schicht-2-Segment antwortet mit Stationsname, Gerätetyp als Text („S7-1500“), Vendor- und Device-ID, Rolle und IP-Konfiguration. Keine Seriennummer, keine Bestellnummer, kein Firmwarestand. Der Scan braucht Raw-Socket-Zugriff und eine Netzwerkkarte im Segment, je VLAN ein Durchlauf.
Schritt 2, Datensatz lesen: über den PNIO-CM-Dienst auf UDP 34964 liest ein Engineering-Werkzeug den Datensatz 0xAFF0 als „Read Implicit“, ohne Applikationsbeziehung, also ohne die laufende Verbindung zwischen Steuerung und Gerät zu berühren. Genau so arbeiten PRONETA und die Online-Funktionen im TIA Portal. Alternativ liest die Steuerung selbst per Baustein (RDREC bei Siemens, FB_PN_IM0_READ bei Beckhoff).
Ein Nebeneffekt, der die Arbeit erleichtert: Die Endpoint-Mapper-Antwort auf UDP 34964 enthält bei vielen Geräten einen Text mit Modell und Bestellnummer („S7-1500 6ES7 672-5DC01-0YA0“), ein günstiger Fingerabdruck auf Schicht 3, bevor überhaupt ein Datensatz gelesen wird.
Was PROFINET nicht liefert
- Alles außerhalb von PROFINET: Switches ohne PROFINET-Profil, Access Points, Industrie-PCs, Kameras und Router antworten weder auf DCP noch auf PNIO-CM. Sie brauchen SNMP oder eine Inventur über ihre Weboberfläche.
- Modulare Geräte: Ein ET-200-Kopf hat ein I&M0, jedes Modul mit eigener Firmware ein weiteres je Slot und Subslot. Ein Scan, der nur Slot 0 liest, übersieht Interface- und Funktionsmodule.
- Geräte hinter einem Proxy: Ein IE/PB-Link antwortet mit eigenem I&M0; die PROFIBUS-Teilnehmer dahinter sind nur per DPV1 (Index 255, Subindex 65000) über den Master erreichbar.
- Die Software unterhalb der Firmware: I&M0 nennt den Firmwarestand, nicht die Bibliotheken darin. Das ist für die Geräteebene ausreichend, denn Hersteller-Advisories benennen Produkte und Firmwarebereiche, keine Bibliotheken.
- Schreibzugriffe: DCP Set (Name, IP, Werksreset) ist unauthentifiziert. Ein Inventarwerkzeug darf ausschließlich Identify und Lesedienste verwenden.
Was das für die Anlagen-SBOM heißt
- Bei der Abnahme je Segment DCP Identify fahren, dann I&M0 je Teilnehmer und je Slot lesen; Ergebnis ist eine Liste mit Hersteller, OrderID, Seriennummer und Firmware, also die Spalten, über die Siemens, Phoenix Contact, Festo und Pilz ihre Advisories zuordnen.
- Die Vendor-ID über die PI-Tabelle in einen Herstellernamen auflösen und die OrderID unverändert übernehmen; sie ist der Abgleichsschlüssel, nicht der Produktname.
- Nicht-PROFINET-Geräte über SNMP, ARP-Tabellen und Weboberflächen ergänzen; welches Verfahren welche Geräte erreicht, steht im Beitrag zum Netzwerkscan je Steuerungswelt.
- I&M1 (Funktion, Einbauort) nutzen, um Geräte der Teilanlage zuzuordnen. Das spart die Handarbeit beim Zusammenführen mit der Stückliste.
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Werkspilot Scan liest diese Felder vom Wartungs-PC aus, lesend und mit fester Anfrageliste, und führt sie je Anlage. Dieser Beitrag beschreibt den Stand der Spezifikationen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.