← Blog

    Beckhoff SBOM: EtherCAT-Klemmen und IPC in die Geräteliste bekommen

    Kurz gefasst · Stand: Oktober 2026

    Eine Beckhoff-Anlage ist ein Industrie-PC mit TwinCAT und eine Kette aus EtherCAT-Kopplern, Klemmen und Antrieben. Vom Wartungs-PC aus sieht ein Scan nur den IPC: Die Klemmen haben keine IP-Adresse, ihre Identität liest allein der EtherCAT-Master. In die Geräteliste kommen sie über das TwinCAT-Projekt, nach Freischaltung über eine ADS-Route oder über den Beckhoff Device Manager, mit Typ, Revision und, soweit vorhanden, Firmware. Der IPC selbst braucht eine Software-Inventur, denn alle 17 Advisories über CERT@VDE (Stand 07.10.2026) betreffen TwinCAT, TwinCAT/BSD und Device Manager, nicht die Klemmen. Eine SBOM je Produkt gibt Beckhoff nicht heraus; für die Anlage brauchen Sie sie nicht.

    Was an einem Beckhoff-IPC hängt und was davon im Netz sichtbar ist

    Die Steuerung ist ein Industrie- oder Embedded-PC (CX, C6) mit TwinCAT als EtherCAT-Master. Daran hängen EK-Koppler, EL-/ELX-Klemmen, EP-Box-Module, AX-Antriebe und Antriebsklemmen (EL7xxx), teils mit Gateways in andere Netze (EL6631 PROFINET, EL6652 EtherNet/IP). Nicht alles davon trägt Firmware: Einfache Digital- und Analogklemmen haben keine, komplexe Klemmen (Kommunikation, Antrieb, Safety) und Koppler schon.

    • Über IP vom Wartungs-PC sichtbar: der IPC (Windows- oder BSD-Inventur, Device Manager, OPC UA), Gateways mit eigener I&M0- oder CIP-Identität (EL6631, EL6652, EK9300, EK9000), Switches und Panels.
    • Nur über den Master: alle EtherCAT-Klemmen, Koppler und Antriebe. Ihre Identität (Vendor ID, Product Code, Revision, Seriennummer) liegt im SII-EEPROM und im CoE-Objekt 0x1018, die Firmware komplexer Klemmen im Objekt 0x100A. Von außen gibt es keinen Weg dorthin, auch nicht passiv.
    • Nur aus dem Engineering: Klemmen ohne Firmware und ohne digitale Schnittstelle. Sie gehören nicht in die Anlagen-SBOM, wohl aber in die Stückliste.

    Wie die Klemmen in die Liste kommen: TwinCAT-Projekt, ADS-Route, Device Manager

    Es gibt drei Wege zur Klemmenliste, mit unterschiedlicher Aussagekraft. Das Projekt zeigt, was geplant war; die ADS-Route und der Device Manager zeigen, was läuft:

    • TwinCAT-Projekt (.sln + .tsproj): die konfigurierte I/O-Kette mit Typ und Revision je Klemme. Beim „Scan Boxes“ liest TwinCAT die Identität aus dem EEPROM. Das ist die Referenz für „was läuft“.
    • ADS-Route zum IPC: nach einmaliger Freischaltung lassen sich Klemmenliste, Firmware der Klemmen (Objekt 0x100A, soweit vorhanden) und der TwinCAT-Stand auslesen, ohne das Projekt zu öffnen. So verfährt der Netzwerkscan in Mischanlagen.
    • Beckhoff Device Manager (MDP, Web/REST/OPC UA) für den IPC selbst: Gerätetyp, Betriebssystem, TwinCAT-Version.
    • Seriennummern sind bei vielen Klemmen nur ein Datumscode (Jahr/Woche), kein Einzelgerät-Identifier. Für die Nachweisführung zählt das Typenschild.

    Wie Beckhoff meldet und worüber der Abgleich läuft

    Beckhoff betreibt seit über zehn Jahren ein PSIRT und veröffentlicht Advisories „als Teil von CERT@VDE gemeinsam mit anderen Herstellern“ (Infosys-Seite „Security Advisories“). Der CSAF Trusted Provider liegt deshalb nicht unter beckhoff.com, sondern bei CERT@VDE: provider-metadata.json mit ROLIE-Feed, index.txt und changes.csv. Im CSAF-Aggregator des BSI ist Beckhoff nicht gelistet.

    Messwert (07.10.2026)Ergebnis
    Advisories im CSAF-Feed gesamt17 (2019–2026)
    davon 2026 veröffentlicht2 (VDE-2025-092 Device Manager, VDE-2025-106 TwinCAT 3 HMI Server)
    Erstveröffentlichungen 2024 / 20256 / 1
    Dokumente mit CPE oder PURL2 – beide aus 2026
    Dokumente mit Hardware-Bestellnummern als Helfer0

    Die 15 älteren Dokumente führen nur Produktname und Versionsbereich („TwinCAT/BSD <14.1.2.0_153968“). Die beiden Dokumente aus 2026 gehen weiter als jeder andere Hersteller in dieser Reihe: PURL-Typen für TwinCAT-Pakete, BSD- und Debian-Pakete (pkg:tcpkg, pkg:bsd, pkg:deb), CPE für das Diagnose-Paket, dazu SHA-256-Hashes betroffener Dateien. Das ist Identifikation auf Paketebene, gedacht für eine Software-Inventur des IPC, nicht für eine Geräteliste.

    Alle 17 Advisories betreffen Software: TwinCAT-Komponenten, TwinCAT/BSD, Device Manager, HMI Server. Die Klemmenliste ist für die Zuordnung deshalb zweitrangig. Gebraucht wird die Software-Inventur des IPC: TwinCAT-Version, installierte Pakete (TwinCAT Package Manager), Betriebssystem und Patchstand. Genau die Dinge, die ein Netzwerkscan nicht liefert und eine Windows- oder BSD-Inventur über ein Lesekonto schon.

    Wer mit einem CPE-basierten Werkzeug arbeitet, findet bei Beckhoff immerhin die beiden neuesten Advisories; die 15 älteren bleiben unsichtbar. Für ein Werkzeug, das Name und Versionsbereich vergleicht, sind alle 17 auswertbar.

    Eine SBOM je Produkt gibt Beckhoff nicht heraus; die beiden Advisories aus 2026 identifizieren ohnehin auf Paketebene, das genügt der Software-Inventur des IPC.

    Was das für Anlagen mit Beckhoff-Komponenten heißt

    • Den IPC als eigenes Produkt mit Software-Inventur führen: TwinCAT-Version, Pakete, Betriebssystem. Das ist die Fläche, die die Advisories treffen.
    • Die Klemmenliste aus dem TwinCAT-Projekt oder per ADS übernehmen und mit Typ und Revision in die Geräteliste aufnehmen, statt sie per Portscan zu suchen.
    • PROFINET- oder EtherNet/IP-Gateways (EL6631, EL6652) erscheinen zusätzlich mit I&M0- beziehungsweise CIP-Identität im Netz und werden dort erfasst.

    Ohne ADS-Route bleibt die Klemmenliste im Projekt, und das Projekt zeigt, was geplant war, nicht, was läuft. In Werkspilot Scan ist Beckhoff deshalb Stufe 3: Der Lauf vom Wartungs-PC erfasst IPC, Gateways und Switches über IP, und nach einmaliger Freischaltung die Klemmenliste mit Firmware über ADS. Wir erproben diese Stufe derzeit mit Entwicklungspartnern an deren Anlagen.

    Alle 13 Hersteller im Vergleich: SBOM je Hersteller →

    Werkspilot Scan an Ihrer eigenen Anlage erproben.

    Wir erproben die Erfassung mit wenigen Anlagenbauern an deren Test- oder Referenzanlagen, vier Monate lang, Stufe für Stufe um ihre Steuerungen erweitert. Der Partner bekommt eine Anlage seiner Wahl als Anlagen-SBOM: jedes erreichbare Gerät mit Hersteller, Bestellnummer und Firmwarestand, offene Positionen einzeln ausgewiesen.

    Entwicklungspartnerschaft anfragen →

    Werkspilot führt diese Geräte je Anlage und meldet, wenn ein Advisory eines davon trifft. Die Zahlen in diesem Beitrag sind eigene Messungen vom 07.10.2026; die Hersteller ändern Feeds und Seiten ohne Ankündigung.

    Häufige Fragen

    Alle EtherCAT-Teilnehmer: Koppler, Klemmen, Box-Module und Antriebe. Sie haben keine IP-Adresse und antworten weder auf ARP noch auf DCP, SNMP oder CIP. Sichtbar sind nur der IPC selbst und Gateways mit eigener Netzidentität wie EL6631 (PROFINET) oder EK9300. Die Klemmenliste kommt aus dem TwinCAT-Projekt, über eine ADS-Route oder aus dem Beckhoff Device Manager.

    Über CERT@VDE, gemeinsam mit anderen deutschen Herstellern. Der CSAF Trusted Provider liegt unter beckhoff.csaf-tp.certvde.com mit ROLIE-Feed, index.txt und changes.csv; Beckhoff selbst verlinkt die Advisories auf der Infosys-Seite „Security Advisories“ und bietet einen RSS-Feed. Am 07.10.2026 enthielt der Feed 17 Advisories, zwei davon aus 2026.